Evangelium nach Matthäus (10,26-33)
Wir haben gerade einen kleinen Ausschnitt aus einer Rede von Jesus an seine Freunde, seine Jünger, gehört. Jesus will sie aussenden, sie zu den Menschen schicken, um sie mit der Botschaft von Gott, dem Evangelium, vertraut zu machen. Und Jesus macht ihnen da nichts vor: Es wird nicht leicht sein. Durch die Verkündigung des Evangeliums werden sich die Jünger die gleiche Feindseligkeit von Seiten der Menschen zuziehen, wie Jesus. „Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe“ sagt er. Und „Ihr werdet von allen gehasst werden um meines Namens willen.“ In vielen Ländern war und ist es immer noch ‚gefährlich’ von Jesus zu reden. Es wird gesagt, dass die Christenheit die am meist verfolgte Religion ist.
Zum Glück nicht hier bei uns. Wir befinden uns heute nicht mehr in einer stalinistischen oder nationalsozialistischen Diktatur. Auch nicht im kommunistischen China, Nordkorea oder in einem streng muslimischen Land, wo das Tragen eines kleinen Kreuzes schon strafbar ist, wo man wegen des Besitzes einer Bibel schon eingesperrt wird. Wer sich zu Jesus bekennt, Christ ist, der muss in unserem Land nicht um sein Leben fürchten.
Aber wir machen stattdessen eine andere Erfahrung und zwar eine große Gleichgültigkeit. Glaube und Kirche haben für viele Mitbürger keine Bedeutung (mehr). Religion wird als Privatsache deklariert; im öffentlichen Leben ist kein Platz für einen Glauben. Ein persönliches Bekenntnis ruft oft ein mitleidiges Staunen hervor, auch in der eigenen Familie! Religion ist ja in den Augen vieler Menschen etwas von gestern; etwas für naive Gemüter.
Ganz ehrlich: spüren wir nicht oft Verlegenheit, empfinden wir es nicht als peinlich und indiskret, wenn irgendwer und herausfordert, über unseren persönlichen Glauben zu reden? Warum diese „Scheu“, diese Furcht? Ist das die Angst auf Ablehnung zu stoßen, belächelt zu werden? Es ist nicht angenehm für naiv gehalten zu werden. Deswegen meidet man es lieber, öffentlich über seinen persönlichen Glauben zu reden.
Denken wir mal nach: Wann haben wir das letzte Mal über unseren Glauben gesprochen, im Familien-, Verwandten-, Bekannten-, Freundeskreis, mit dem eigenen Partner/der Partnerin? Mit den eigenen Kindern? Wie oft zeigen wir, bezeugen wir, dass unser Glaube an Jesus uns wichtig, für unser Leben bedeutungsvoll ist? Wie geht es uns dabei, wenn wir direkt gefragt werden: „Glaubst du wirklich an Gott? Und warum?“
Jesus will uns im heutigen Evangelium Mut machen, unser Selbstvertrauen stärken: Lasst euch nicht einschüchtern! Ihr sollt das Evangelium nicht nur hinter verschlossenen Türen, hinter dicken Kirchenmauern, zur Sprache bringen. Fürchtet euch also nicht vor den Menschen! Ein unerschrockenes, furchtloses Auftreten als Christ erwartet Jesus von uns.
Und dann fügt er da Worte hinzu, die wir nicht Ernst genug nehmen können: „Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor Gott bekennen.“ Jesus fordert von uns, dass wir uns zu ihm klar und eindeutig bekennen, und zwar ohne Abstriche.
Und wann tun wir das? Das tun wir, wenn wir uns immer wieder, jeden Sonntag, zu seiner Mahlfeier versammeln - nicht aus Gewohnheit, sondern aus Überzeugung. Das ist ein großes Bekenntnis, das immer wichtiger wird in einer Gesellschaft, in der wir immer mehr zu einer Minderheit werden!
Ich bekenne mich auch zu Jesus Christus, wenn ich Verbundenheit mit denen suche, die auch an ihn glauben. Ich suche eine Glaubensgemeinschaft, wo ich ein Zusammengehörigkeitsgefühl erfahren kann. Eine Glaubensgemeinschaft ist wie ein Zuhause, wo ich meinen christlichen Glauben nähren, stärken und vertiefen kann, um so mein Bekenntnis zu Jesus überzeugender, fester zu machen und treu zu bleiben.
Jesus will einen verbindlichen Glauben: Weil ich glaube binde ich mich an ihm, an seinem Auftrag an uns, und auch an denen, die sich zu ihm bekennen. Fürchtet euch nicht vor den Menschen, fürchtet euch nicht, dadurch etwas im Leben zu versäumen. Im Gegenteil: Nur diese Lebensweise führt zum echten, sinnvollen Leben. Es war der berühmt gewordene Papst Johannes XXIII, der das 2. Vatikanische Konzil zusammengerufen hat, der gesagt hat: „Wer glaubt, zittert nicht.’“